PFLEGEZUSATZ-VERSICHERUNG

Kinder haften für Ihre Eltern!

Im Jahr 2017 gab es in der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung rund 3,3 Millionen Leistungsempfänger, Tendenz steigend. Häufigste Ursachen für einen Pflegefall sind Schlaganfall, Herzinfarkt, Krebserkrankungen und Unfälle. Reichen im Pflegefall die privaten finanziellen Mittel der Pflegeperson für die Deckung  der Pflegekosten nicht aus, werden die nächsten Angehörigen vom Sozialamt in die Pflicht genommen.

Eine Pflegezusatzversicherung eignet sich für jeden, der sich selbst
und seine nächsten Angehörigen vor den finanziellen Folgen im Falle
einer Pflegebedürftigkeit schützen möchte.

Grundsätzlich sind folgende Varianten der Pflegezusatzversicherung
möglich:

PFLEGETAGEGELD

Beim Pflegetagegeld wird eine feste Summe vereinbart, die der Patient
zur freien Verfügung hat. Der Versicherte kann selbst entscheiden,
wofür das Geld genutzt wird. Die Höhe des ausgezahlten Tagesgeldes
richtet sich nach der Pflegebedürftigkeit (Pflegegrade).

PFLEGEKOSTENVERSICHERUNG

Eine Pflegekostenversicherung stockt die gesetzlichen Leistungen um
einen bestimmten Prozentsatz auf, der bei Vertragsabschluss festgelegt
wird. Diese feste Bindung an den Kassensatz kann sich nachteilig
auswirken: sind die Leistungen der gesetzlichen Kasse gering, zahlt
auch die private Versicherung wenig. Andere Tarife übernehmen die
Restkosten bis zu einer Höchstgrenze. Bleibt dann immer noch eine
Lücke, muss der Versicherte die Restkosten aus eigener Tasche zahlen.
Generell kommen Kostentarife nur für nachgewiesene Kosten auf,
zum Beispiel durch Rechnung eines Heimes oder eines Pflegedienstes.
Dazu zählen nur die Leistungen, die im Katalog der gesetzlichen
Pflegeversicherung aufgeführt sind. Unterkunft und Verpflegung werden
in der Regel nicht erstattet. Lässt sich der Versicherte von seinen
Angehörigen oder Freunden pflegen, fällt die Erstattung geringer aus
als bei häuslicher Pflege durch einen Pflegedienst.

PFLEGERENTEN

Der Versicherer zahlt eine vereinbarte Monatsrente, unabhängig von
den tatsächlichen Aufwendungen und egal, von wem man gepflegt
wird und wo die Pflege stattfindet. Das Pflegefallrisiko wird hierbei mit einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung abgesichert. Die Höhe
des Pflegerentenanspruchs richtet sich ausschließlich nach dem Grad
der Pflegebedürftigkeit (Pflegegrade) des Versicherten.
Anders als der Krankenversicherungsträger sagt der Lebensversicherer
eine Leistung zu und kann sie nicht mehr durch Beitragsanpassungsklauseln
nachträglich verändern. Diese Regelungen sehen
Krankenversicherungsunternehmen grundsätzlich vor. Aus diesem
Grund ist der Beitrag zu einer derartigen Versorgung auch tendenziell
etwas höher. Die Pflegerentenversicherung bietet darüber hinaus
eine Überschussbeteiligung an, die zur Erhöhung der Versicherungsleistung
oder auch zur Beitragsreduktion eingesetzt werden kann.
Gegenüberstellung der einzelnen Varianten der Pflegezusatzversicherung:

INVALIDITÄTSLEISTUNG

Kapitalzahlung, abhängig vom Grad der Invalidität (Schwere der Behinderung). Bemessungsgrundlage ist die sog. Gliedertaxe. Diese legt fest, wie viel der vereinbarten Summe z.B. bei Verlust eines Körperteils ausgezahlt wird. Besonderheit: Für einzelne spezielle Berufsgruppen besteht die Möglichkeit, Tarife mit speziell auf diese abgestimmten Gliedertaxen zu wählen (z. B. Mediziner und Musiker).

TODESFALLLEISTUNG

Verstirbt die versicherte Person durch einen Unfall (innerhalb eines Jahres), wird die vereinbarte Todesfallsumme ausgezahlt (ähnlich wie bei einer Risikolebensversicherung). Damit lassen sich beispielsweise die Kosten für die Beerdigung abdecken.

VERSCHIEDENE TAGEGELDER

Je nach vereinbarter Leistung wird ein Tagessatz ausbezahlt z. B.

  • Krankenhaustagegeld mit Genesungsgeld – für jeden Tag eines unfallbedingt medizinisch nötigen Krankenhausaufenthalts. Nach Entlassung erhalten Sie das Genesungsgeld nur für die Anzahl von Tagen, die Ihr Klinikaufenthalt dauerte (i. d. Reg. gibt es eine gesonderte Obergrenze an max. Tagen, die hier Berücksichtigung finden).
  • Unfall-Krankentagegeld – Bedarf es nach einem Unfall einer längeren Krankschreibung, zahlt der Arbeitgeber lediglich für sechs Wochen das gewohnte Gehalt weiter. Ab der siebten Woche zahlt die Krankenkasse das deutlich niedrigere Krankengeld. Dieses können Sie mit einem Unfall-Krankentagegeld auf das Niveau Ihres gewohnten Einkommens auffüllen.
  • Unfallrente – Ab einem bestimmten Invaliditätsgrad wird eine lebenslange Rente gezahlt.
  • Übergangsleistung – Nicht immer ist eine durch Unfall erworbene Invalidität dauerhaft. Dennoch können in der Phase der Gesundung teure Hilfsmittel nötig werden oder andere Kosten anfallen. Liegt etwa sechs Monate nach dem Unfall noch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit von 50 % vor, kommt die vereinbarte Übergangsleistung zur Auszahlung. Je nach Versicherer sind weitere Zusatzbausteine möglich.

Bei der gesetzlichen Pflegeversicherung wird unterschieden zwischen
häuslicher Pflege, teilstationärer Pflege und vollstationärer Pflege. Bei
der häuslichen Pflege kann ein Pflegegeld beantragt werden, wenn
ein Familienangehöriger die Person selbst pflegt.

Der bundesweit tätige medizinische Dienst der Krankenversicherung
(MDK) stellt die Pflegebedürftigkeit fest.
Folgende Stufen der Pflegerade werden dabei unterschieden:

Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit
besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Bei der privaten Pflegezusatzversicherung richtet sich der
Versicherer bei der Einstufung in einen Pflegegrad entweder
nach dem MDK oder er legt seine eigenen Kriterien zugrunde.

Schadensbeispiele aus der Praxis

Die Rentnerin Frau K. stürzte zu Hause und konnte nicht mehr
alleine aufstehen. Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt
wird klar, dass sie zukünftig auf Hilfe angewiesen sein wird. Da
die Kinder von Frau K. alle berufstätig sind, ist eine Unterbringung
im Pflegeheim nicht zu vermeiden. Die Rente von Frau K. und die
Ersparnisse reichen bei Weitem nicht aus, um die Kosten für das
Pflegeheim zu decken. Da sie keine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen
hat, müssen die Kinder jeden Monat mehrere hundert
Euro für die Unterbringung im Pflegeheim zuzahlen.

Herr M. ist 45 Jahre alt und hat vor Kurzem einen Schlaganfall erlitten.
Trotz schneller medizinischer Versorgung wird der Familienvater
ein Pflegefall bleiben. Um die Familie zu versorgen, muss seine
Frau wieder Vollzeit arbeiten gehen. Glücklicherweise hat Herr M.
eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. So ist die häusliche
Pflege durch einen Pflegedienst
finanzierbar.

Leistungsbeispiele aus der Praxis

Die Kosten für die häusliche Pflege durch einen Pflegedienst müssen individuell berechnet werden, da es hierfür keine einheitlichen Preise bei den Pflegediensten gibt. Hierbei sind zum einen die unterschiedlichen Preise der Pflegedienste, zum anderen die gewünschten Leistungspunkte (z. B. Hilfe beim An- und Auskleiden, Rasieren, Kämmen, Mund- und Zahnpflege, Teil- oder Ganzkörperwäsche, Transfer…) zu berücksichtigen. Pro Leistungswunsch wird ein individueller Wert in Euro zwischen Pflegekasse und Pflegedienst ausgehandelt. Zusammen mit den Zusatzkosten (Anfahrtskosten) und abzüglich der gesetzlichen Leistungen ergibt sich der Eigenanteil für Pflegebedürftige bzw. deren Angehörige. Entlastungsbetrag: zweckgebunden bis zu 125 € (§ 45b SGB XI).

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